M4_1 Internationale Koordinatoren/Koordinatorinnen als Gestalter/innen von Veränderung in der Schule

•    Führungskompetenzen internationaler Koordinatoren/Koordinatorinnen
•    Führung und Vision
•    Führungsstile

Kurzbeschreibung der Übung

Dieser erste Teil des Gesamtmoduls zum Thema Führung ist als Einführung gedacht und basiert weitgehend auf einer Präsentation. Am Anfang steht eine Übung, die zeigt, dass Menschen stets geneigt sind, Veränderungen abzulehnen.

Führen ohne Zwang und Druck
Diese Übung verlangt körperliche Aktivität wie auf PPT-Folie 2 ‚Don’t push Lead‘ (Führen ohne Zwang und Druck) dargestellt.
•    Die Teilnehmerinnen stellen sich paarweise einander gegenüber auf.
•    Die Partner/innen bezeichnen sich jeweils als A oder B.
•    Die Partner/innen legen die Handflächen mit erhobenen Händen gegeneinander.
•    Dann wird A aufgefordert, B wegzudrücken.
•    B hat keine Anweisung.
•    Nach einiger Zeit werden die Rollen getauscht und B drückt gegen A.
•    Die Teilnehmer/innen setzen sich wieder und sprechen über ihre Erfahrungen. Sie sollen verstehen, was passiert, wenn auf uns als Individuen Druck ausgeübt wird.
Die meisten Personen werden gegen den Druck des Partners Widerstand geleistet oder mit Gegendruck reagiert haben.
Führung folgt denselben Prinzipien: Menschen, die zu Veränderungen gedrängt oder gezwungen werden, leisten unabhängig davon, wie sinnvoll die Veränderung sein mag, Widerstand.
Frage: Wie verändern wir uns so, dass wir Menschen ohne Druck und Zwang führen können?

Überzeugende Vision
Die zweite Übung auf der Basis von PPT-Folie 3 ‚Irresistible Vision‘ (unwiderstehliche/überzeugende Vision) zeigt anhand eines Gummibandes, wie Menschen sich von einer dominanten Vorstellung angezogen fühlen.
Die beiden Punkte auf der Folie können betrachtet werden wie Nägel in einer Wand. Der obere Punkt ist die Vision, er untere (der Nagel) die derzeitige Realität. Das Gummiband steht für den Menschen, der entspannt und zufrieden ist – bis ihm eine Vision vorgestellt und Veränderung verlangt wird. Ab diesem Moment fühlt das Gummiband (das Individuum) sich angespannt. Sitzt der Nagel der Vision tief und fest, wird das Gummiband (das Individuum) zu ihm hingezogen. Sitzt allerdings der Nagel der derzeitigen Realität fester und die Vision ist schwach und wenig überzeugend, wird das Gummiband (das Individuum) versucht sein, bei der derzeitigen Realität zu bleiben und Veränderungen zu vermeiden.
Hervorzuheben ist: Je größer der Abstand zwischen den beiden ‚Nägeln’, desto größer die Spannung im Gummiband (Individuum) – desto größer ist aber auch die Energie und Kraft für die Veränderung.

Zwei Bilder, eine Handlung
Kognitive Dissonanz, wie auf Folie 4 der Präsentation dargestellt, beschreibt das psychologische Prinzip, dass ‚man nicht zwei unterschiedliche Auffassungen über ein und dieselbe Sache haben und beiden Auffassungen denselben Wert beimessen kann‘.
Die Aufgabe des Gruppenleiters/der Gruppenleiterin ist es, in den Köpfen derjenigen, die geführt werden sollen, eine Dissonanz zu schaffen und diese dann durch eine Vision aufzulösen, die überzeugender und attraktiver ist als die derzeitige Realität.
Ohne Dissonanz besteht keine Notwendigkeit zum Wandel.
Menschen mit Führungsanspruch oder -aufgaben müssen also zunächst für eine Dissonanz sorgen.
Bitten Sie die Teilnehmer/innen, zwei Bilder einer Situation in ihrem Leben zu malen – vom Steingarten bis zur Scheidung oder bis zu der Arbeit, mit der sie gerade beschäftigt sind.
Auf dem ersten Bild soll alles dargestellt werden, was irgendwie mit der Situation zu tun hat, jedes Detail, selbst Verständnislücken, alles Gute an der derzeitigen Situation, die Gefühle , die damit verbunden sind – alles, was der Person einfällt, um ihre Lage so exakt wie möglich darzustellen. (Dafür sind 5 Minuten vorgesehen.)
Auf dem zweiten Bild sollen die Teilnehmer/innen sich die Zukunft ausmalen – eine Zeit, in der alle Aspekte der oben dargestellten Situation absolut geklärt und bereinigt sind. Die Zeichner/innen sollen so optimistisch und frei gestalten wie nur möglich, sich die perfekte Lösung vorstellen.
Sind beide Bilder fertig, bestimmen die Teilnehmer/innen das überzeugendere oder anziehendere Bild –  entscheiden sich für die Darstellung der derzeitigen Realität oder die Darstellung der Vision.
Lerneffekt: Wir bewegen uns in Richtung der dominanteren Bildaussage. Wird das erste Bild als überzeugender oder anziehender empfunden, so wird sich an der Situation in nächster Zukunft nichts ändern – zumindest soweit es in der Macht der Zeichnerin/des Zeichners steht. Wird jedoch das zweite Bild als das anziehendere gewertet,  kann man mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass die Teilnehmerin/der Teilnehmer danach strebt, die derzeitige Situation zum Besseren zu verändern.

Am Ende des Regenbogens
Bitten Sie die Teilnehmer/innen, den Punkt im Videoclip zu fixieren:  M4_1_2_Test Optische Täuschung Regenbogen (http://www.youtube.com/watch?v=_fc2Z3QgVq8) – nach der bunten PPT-Folie 6.
•    Nach etwa 20 Sekunden verändert sich das Bild.
•    Fragen Sie die Teilnehmer/innen, ob das neue Bild von einem Wasserfall ein Farb- oder ein Schwarzweißbild ist.
•    Die meisten Teilnehmer/innen werden glauben, es handle sich um ein Farbbild.
•    DAS IST NICHT DER FALL – DAS WASSERFALLBILD IST EIN SCHWARZWEIßBILD.

Lerneffekt:
Das Gehirn, das durch das seltsame Bild um den Punkt verwirrt wurde, versucht, der eingehenden Information einen Sinn zu geben.
Um den Punkt herum befindet sich anscheinend ein Regenbogen … doch kein richtiger.
Wenn das Bild wechselt, ist das Gehirn gerade dabei, sich mit den Farben eines Regenbogens zu beschäftigen.
Das Gehirn denkt weiterhin an die Farben und ‚sieht’ die Farben im Wasserfall – obwohl sie gar nicht da sind. Wirklich nicht.
Als Führer/innen, die denen, die ihnen folgen, ihre Vision näher bringen, müssen wir stets daran denken, dass die meisten Menschen sofort wieder sehen, was sie sehen wollen und was sie schon immer gesehen haben, sobald wir aufhören, unsere Vision zu kommunizieren.

Ein Eimer voller Kugeln
Hier wird die PPT-Folie 7 eingesetzt – mit einem Kommentar,  der etwa so lautet:
Das Gehirn besteht aus Vorstellungen. Diese Vorstellungen sind das Ergebnis von Denkprozessen, die wir immer wieder hatten und haben.
Wie Kugeln (Gedanken) in einem Eimer (Gehirn).
Präsentiert man Ihrem Gehirn immer wieder dieselben Gedanken (blaue Kugeln), so füllt es sich damit. Stellt man Ihnen dann eine Frage, so antworten Sie mit ‚blau‘.
Wer führen will, muss die Vorstellungen in den Köpfen der Geführten verändern, damit diese anders antworten können.

Man könnte auch den Vergleich mit Zugriffen auf Internetseiten anbringen: Je mehr Klicks eine Seite hat, desto höher steigt sie in der Rangliste und wird ‚wahr‘.
Wie schaffen wir es, dass neue Ideen/Visionen immer mehr Klicks erhalten, sodass die Visionen ‚wahr‘ werden?

Grundlegende Lernergebnisse

Die Teilnehmer/innen
•    verstehen, dass effektive und weitsichtige Führung sich den Wunsch von Menschen nach Veränderung zunutze macht und sie nicht zwingt oder drängt.
•    verstehen die Notwendigkeit einer überzeugenden Vision, die lebhafter und attraktiver ist als die derzeitige Realität.
•    verstehen die Herausforderungen und Möglichkeiten, die durch größere und kühnere Visionen entstehen, die die Menschen unter größere Spannung setzen und damit mehr Energie für Veränderungen oder deren Ablehnung erzeugen.
•    verstehen, dass Führung effektiv sein muss und möglich ist: ‚Sie sind gut genug, wenn ich als Führungskraft clever genug bin’.
•    verstehen, dass Führungspersönlichkeiten Veränderungen bewirken, indem sie die derzeitigen Gegebenheiten umstoßen und der Vision Gewicht verleihen.

Materialien

Präsentation (PPT): M4_1_1_Führung
Video: M4_1_2_Test Optische Täuschung Regenbogen (http://www.youtube.com/watch?v=_fc2Z3QgVq8)
Gummiband
Zwei gleich große Papierbögen pro Teilnehmer/in für Bilder

Zeit

25 Minuten

Tipps

Diese Übungen und Aktivitäten richten sich am besten an die gesamte Gruppe, wobei einzelne Teilnehmer/innen relevante Ideen, Beispiele und Analogien aus ihrer eigenen Erfahrung beisteuern.

Verweisen Sie bitte auf das zum Modul gehörende Video – finden Sie ihre eigenen persönlichen Beispiele zur weiteren Illustration der einzelnen Lernschritte.

Dieses Projekt wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert.

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